Wissenswertes

Geschichte der Schule

Die Geschichte des Schulwesens reicht weit in die Geschichte zurück und steht aufgrund ihres Qualifikationsdilemmas mehr denn je auf dem Prüfstein zukünftiger gesellschaftlicher Anforderungen. War Schule in Ägypten, Griechenland, Rom, in den Klosterschulen und im Mittelalter ein Privileg der Reichen und Mächtigen und Menschen männlichen Geschlechts vorbehalten, so entstanden ab 1250 mit Aufblühen von Handel und Gewerbe erste Volks- und Stadtschulen, die im Zeitalter der Aufklärung durch planmäßigen Unterricht institutionalisiert wurden. Erst 1919 schrieb die Weimarer Verfassung in Deutschland die allgemeine Schulpflicht für ganz Deutschland fest, von 1938 bis 1945 regelte das Reichsschulpflichtgesetz den Besuch der Volksschule ab dem 6. Lebensjahr.

Im 19. Jahrhundert begleiten Reformen die Idee einer umfassenden Volksbildung und man beginnt Lernen auf Alter und Fähigkeiten abzustimmen. Eingeführt wurden Unterrichtsmaterialen wie Schiefertafel, Wandtafel und Kreide und die Ordnung des ‚Handhebens‘, wenn Schüler etwas zum Unterricht beisteuern wollten. Die Reformpädagogik liefert erste lerntheoretische Ansätze, die auf das Lernen durch Handeln und die Selbstständigkeit des Schülers abzielen oder wie die spätere Montessoripädagigik es ausdrückt: „Hilf mir, es selbst zu tun“. Es entstehen Schulkonferenzen und das Abitur als Zugangsvoraussetzung für das universitäre Studium wird eingeführt. Bis Ende des 19. Jahrhunderts entstehen Gymnasium, Realgymnasium und Oberrealschule als Schulformen zur Erlangung des Abiturs. Mädchen waren im Bereich der Schule nach wie vor deutlich benachteiligt, indem sie im Vergleich zu den Jungen einen deutlich reduzierten Unterricht erhielten, der zum Teil noch nicht einmal das Schreiben beinhaltete. Zwar wurde das Schulwesen allmählich auch für Mädchen verbessert, aber erst zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde es auch Frauen ermöglicht, das Abitur zu erlangen und damit auch studieren zu können.

In Folge der nationalsozialistischen Herrschaft ab 1933 trat unter maßgeblichem Einfluss Adolf Hitlers die geistige Bildung ein Stück weit in den Hintergrund. So wird es in Hitlers Werk „Mein Kampf“ zur ersten Aufgabe der Erziehung gemacht, kerngesunde Körper heranzuzüchten. Erst danach sollten die geistigen Fähigkeiten in Form von Charakterbildung und Entschlusskraft gefördert werden.  Lerninhalte wurden massiv geändert und auf die nationalsozialistischen Ziele ausgerichtet: Im Geschichtsunterricht wurde die Rasse und das Führerprinzip gelehrt, aus dem Deutschunterricht wurden unerwünschte Lektüren entfernt, Rassenkunde wurde Teil des Biologieunterrichts und der Schulsport erhielt einen weitaus größeren Anteil an den Schulstunden. Im Gegensatz dazu wurde der Religionsunterricht immer weiter aus dem Lehrplan verdrängt. Um den Führungsnachwuchs heranzubilden, wurden  Eliteschulen ‚Erziehungsanstalten‘ gegründet, die schwerpunktmäßig Ideologie, Sport und paramilitärisches Training schulten.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs und der Aufteilung Deutschlands durch die Siegermächte in vier Besatzungszonen wurden  Einheitsschulen in Spezialschulen im Sinne von Talentschmieden für Sport, Mathematik oder Technik aufgegliedert. Der Zugang zum Abitur und zur Universität wurde nach ökonomischem Bedarf im Rahmen der Planwirtschaft zentral gesteuert, Bildungsmöglichkeiten wurden von den Planvorgaben des Staates abhängig. Ebenso wurde der Unterricht vom Lehrplan bis hin zu den Unterrichtsmethoden und der Ausstattung zentral gesteuert und stark vereinheitlicht.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 kam es zu einer erneuten Einführung des gegliederten Schulsystems, die Volksschule wurde teilweise wieder konfessionalisiert und Mädchen und Jungen getrennt unterrichtet. In einem zerstörten Deutschland mit vielfach traumatisierten Kindern und überalterten Lehrkräften erschien die Sicherstellung eines fortlaufenden Schulbetriebs wichtiger als eine grundlegende Reformierung. Erst in den 60er Jahren verstärkte sich die Kritik an der Rückständigkeit des deutschen Schulsystems und die Forderungen nach einer Reformierung wurden lauter. In Folge dessen entwickelte der Deutsche Bildungsrat 1970 einen Strukturplan mit zahlreichen Reformen und Vorschlägen am Vorbild ausländischer Schulsysteme wie zum Beispiel Skandinavien. Überarbeitet wurden daraufhin die veralteten Lehrpläne und es wurden zeitgemäßere Unterrichtsmethoden eingeführt. 1973 erschien der erste Bildungsgesamtplan  und die ersten Gesamtschulen entstanden. Geldmangel setzte vielen Reformbestrebungen – wie die horizontale Gliederung des Schulsystems oder mehr Chancengleichheit durch die Förderung sozial benachteiligter Kinder –  in den 1980er Jahren wieder ein schnelles Ende.

Von 1954 bis 1990 änderte sich die Verteilung der Schulabschlüsse gewaltig: besuchten 1954 gerade einmal 15,4 Prozent aller Schüler ein Gymnasium, konnten 1990 24,4 Prozent das Abitur vorweisen. Im Gegenzug gingen 1954 noch 71,5 Prozent in die Hauptschule (Volksoberschule), 1990 machten nur noch 32 Prozent einen Hauptschulabschluss.

Im Jahr 2000 machte ein internationaler Vergleich auf eine Schieflage im deutschen Bildungssystem aufmerksam. In der PISA-Studie der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) landete Deutschland in allen drei Kompetenzbereichen – Lesen und Schreiben, Mathematik, Naturwissenschaften – im unteren Drittel und die Leistungen der getesteten Schüler lagen weit unter dem Mittelwert der OECD, auffällig war auch ein Nord-Süd-Gefälle. Hektischer Reformeifer setzte ein und induzierte das achtjährige Gymnasium (G8), das inzwischen selbst wieder auf dem Prüfstand steht. Eingeführt wurden u.a. Vergleichsarbeiten zur Qualitätssicherung, Sprachförderungsrichtlinen und ein Ausbau der Ganztagsschule.  Bildung bleibt jedoch Ländersache und dementsprechend unterschiedlich sehen Reformideen, Maßnahmen und Ergebnisse im Einzelnen aus.

PISA sowie andere Studien sind Katalysator für ein sich wandelndes Bildungsverständnis vor dem Hintergrund einer sich in ihrem Wertesystem veränderten Gesellschaft. Sie implizieren eine Internationalisierung von Schule und Ausbildung sowie individualiserte Lernformen, die zukünftige Schülergenerationen dazu befähigen haben, die technologische Durchdringung der Lebenswelt sozialen Anforderungen demokratisch anzupassen. Nach Wolfgang Edelstein vom Max-Planck-Institut für Bildungsforschung in Berlin verlangen Zukunftssenarien dem Menschen ein hohes Maß an Flexibilität und innerer Stabilität ab, für deren Verantwortlichkeit und Kernkompetenzen die Schule in ihrer Ausbildungsstruktur Rechnung zu tragen hat.  Aufbauend auf dem Paradigmenwechsel ‚Bildung und Wissen als Zukunftsressource‘  hat das BMBF Ende 2007 ein Rahmenprogramm zur Förderung der empirischen Bildungsforschung mit Maßnahmenpaket  zur strukturellen Förderung der empirischen Bildungsforschungherausgegeben. Befruchtet von den Ergbnissen der Neurowissenschaften zur Funktionsweise des Gehirns und den damit verbundenen Auffassungen vom Lernen wandelt sich allmählich der Bilfungsbegriff vom vorratsbeinhaltenden Allgemeinwissen hin zur Qualifikation und damit zur Ausbildung von Schlüsselkompetenzen und Schlüsselqualifikationen.

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